7. April – Übergabe der Härtefallgesuche und der Unterschriftensammlung

Am Donnerstag, dem 7. April haben wir die Härtefallgesuche eingereicht. Fünf der Sans-Papiers haben ihr Härtefallgesuch namentlich eingereicht. Nach Jahren und Jahrzehnten des Lebens in Basel legen sie die Masken der Anonymität ab und ersuchen um eine Bewilligung, um endlich ohne Angst in ihrer neuen Heimat leben zu können. Desirée, eine der Sans-Papiers, sagte in ihrer Rede: „Es ist ein grosser Schritt für uns, diese Gesuche einzureichen. Jahrelang haben wir uns versteckt und mussten immer Angst haben. Jetzt nehmen wir unsere Masken ab und zeigen uns. Unser grosser Wunsch ist es, dass wir ohne Masken hier leben können.“ Drei der Sans-Papiers konnten sich nicht dazu entscheiden, das grosse Risiko, das mit der Offenlegung der Identität einhergeht, einzugehen. Da aber auch sie die Kriterien dafür, ein Härtefall zu sein, erfüllen, haben sie ihre Dossiers noch einmal anonym eingereicht.

Zusammen mit den Gesuchen wurden auch die Unterschriftensammlung der Kampagne und die Logos der unterstützenden Organisationen übergeben. Zwar handelt es sich bei Härtefällen um Einzelfallgesuche, hinter diesen steht aber eine breite Öffentlichkeit. In den vergangenen Monaten haben rund 3000 Menschen und 30 Organisationen unsere Anliegen unterzeichnet.

Rund 130 Personen haben die Sans-Papiers bei der Übergabe unterstützt. Auch die Sans-Papiers haben in den vergangenen Wochen und Monaten die grosse Solidarität gespürt. So sagte Desirée in ihrer Rede: „Es freut uns sehr, dass sich so viele Menschen solidarisch zeigen und uns den Rücken stärken.“ Nach der Rede haben acht Personen mit Masken dem Leiter des Migrationsamts, Herrn Michel Girard, die Gesuche und gleichzeitig auch die Masken übergeben. Danach wurden die während der Übergabe von allen Beteiligten geschwenkten Unterschriftenbögen und Logos in einer Kiste gesammelt und Herrn Frey, dem Generalsekretär des Justiz- und Sicherheitsdepartements übergeben.

Herzlichen Dank allen fürs Kommen!

Unter den Bildern findet sich noch die Rede von Desirée.

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Sehr geehrter Herr Girard, sehr geehrter Herr Frey, sehr geehrte Anwesende

Mit Freude und grosser Hoffnung kommen wir heute hierher, um unsere Härtefallgesuche zu übergeben. Es ist ein grosser Schritt für uns, diese Gesuche einzureichen. Jahrelang haben wir uns versteckt und mussten immer Angst haben. Jetzt nehmen wir unsere Masken ab und zeigen uns.

Wir leben alle schon viele Jahre in Basel. Wir sind aus verschiedenen Gründen in diese Stadt gekommen. Hier haben wir Freunde, Arbeit und ein neues Leben gefunden. Wir haben die Schweizer Kultur kennen gelernt und uns in Basel integriert.

Es ist nicht immer einfach. Ohne Papiere sind viele Türen verschlossen. Wir können keine Ausbildung machen und müssen immer aufpassen, dass wir nicht entdeckt werden. Jeden Tag fordern wir unser Schicksal heraus. Man kann nur wissen, was das bedeutet, wenn man es selbst erlebt.

Aber wir lieben Basel und sind hier zuhause. Hier haben wir unsere Freunde und unsere Arbeit. Und wir tragen zum Leben in der Stadt bei. Unser grosser Wunsch ist es, dass wir ohne Masken hier leben können.

Sehen Sie, Herr Girard und Herr Frey, wir sind nicht alleine gekommen. Viele sind überzeugt, dass die Zeit endlich gekommen ist, uns von der Last der Maske zu befreien. Mit der Kampagne Nicht ohne unsere Freund*innen! haben wir viele Menschen für unsere Situation sensibilisieren können. Die Kampagne hat uns auch Mut gemacht, für unser Anliegen einzustehen.

Es freut uns sehr, dass sich so viele Menschen solidarisch zeigen und uns den Rücken stärken. Wir haben 3000 Unterschriften gesammelt und 30 Organisationen unterstützen unser Anliegen. Wir übergeben ihnen heute auch die Unterschriften und die Logos der Organisationen.

Wir hoffen, dass wir die Anerkennung erhalten, die wir uns verdient haben. Und dass wir das Papier erhalten, das uns erlaubt, frei und wirklich wie richtige Bewohnerinnen von Basel zu leben.

Vielen Dank.