Anliegen

Zuhause, aber mit Angst

Ana, Bojan, Isabelle, Cristina, Sarah/Timur, Beto, Raquel und Maria leben alle seit vielen Jahren in Basel. So unterschiedlich ihre Geschichten sind, finden sich doch grundlegende Ähnlichkeiten. Sie alle hatten in ihrem Herkunftsland keine Zukunft und mussten unter schwierigsten Bedingungen ihre Heimat und ihre Liebsten verlassen. Alle hat das Schicksal nach Basel gebracht. Und für alle ist die Stadt zu ihrem Lebensmittelpunkt geworden.

Das Leiden ist damit aber nicht vorbei. Ihre Freude darüber, in Basel eine neue Heimat gefunden zu haben, ist stets überschattet von der existenziellen Sorge, diese vom einen auf den anderen Tag verlieren zu können. Denn ihnen fehlt ein einziges Stück Papier – eine Aufenthaltsbewilligung. Sie sind Sans-Papiers und können jederzeit verhaftet und ausgeschafft werden.

Sie leben unter ständiger Angst und bewältigen ihren Alltag im Versteckten und ohne Möglichkeit, ihre Rechte wahrzunehmen. Dass sie dies seit Jahren aushalten, ist Ausdruck ihrer Kraft, aber auch ihrer Ausweglosigkeit. Denn ein Neuanfang in den Ländern, in denen sie aufgewachsen sind, ist ihnen nicht mehr zumutbar. Basel ist der Ort, an dem sie überhaupt eine Zukunft haben. Und mittlerweile auch der Ort, an dem sie sich wohl fühlen und zuhause sind.

Die Möglichkeit, menschlich zu handeln

Das Gesetz erlaubt den Migrationsbehörden, menschlich zu handeln und in Einzelfällen solch unerträgliche Zustände aufzuheben. Art. 30 Abs. 1 Bst. b im Ausländergesetz sieht vor, dass in „schwerwiegenden persönlichen Härtefällen“ eine Bewilligung erteilt wird. Genau für Sans-Papiers, die sich hier in der Schweiz ein Leben aufgebaut haben, Teil der Gesellschaft geworden sind und keine Möglichkeit auf einen Neuanfang im Herkunftsland haben, gibt es diese Härtefallbestimmung. Nun ist es wichtig, dass sie von den Behörden auch genutzt und angewandt wird.

Durch ihren langen Aufenthalt und die umfassende Integration erfüllen unsere Freund*innen klar die Voraussetzungen dafür, ein solcher Härtefall zu sein. Die verlangte Gegenüberstellung der zukünftigen Situation im Ausland und der persönlichen Verhältnisse in der Schweiz lassen bei diesen acht Sans-Papiers keine Zweifel daran, dass sie eine Aufenthaltsbewilligung erhalten müssen. Trotzdem hat das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt die zur Vorprüfung eingereichten anonymen Gesuche mit negativen Einschätzungen beantwortet. Wenn man ihre Geschichten kennt und sich ihre Lebenssituationen vor Augen führt, ist diese Einschätzung nicht nachvollziehbar.

Solidarität im Härtefall

Wir, das Komitee „Nicht ohne unsere Freund*innen!“, unterstützen die acht Sans-Papiers darin, ihre definitiven Gesuche einzureichen. Sie leben in Basel und gehören zu Basel. Wir stehen dafür ein, dass die Behörden des Kantons ihren Spielraum bei der Beurteilung von Härtefallgesuchen menschlich nutzen und mit einem positiven Entscheid den Lebenssituationen dieser langjährig hier Ansässigen gerecht werden.

Unsere Freund*innen haben sich ihr Leben in Basel seit langem hart erarbeitet – was fehlt ist die Anerkennung dafür. Wir haben sie in unseren Haushalten putzen, auf unsere Kinder aufpassen, auf unseren Baustellen, in unserer Landwirtschaft und in unseren Restaurants arbeiten lassen. Jetzt müssen wir auch dazu stehen und ihnen die Anerkennung geben, die sie sich verdient haben!

Mit einer Teilnahme an gemeinsamen Treffen und Aktionen ab Herbst 2015 und einer Unterschrift für das Anliegen helfen auch Sie! Machen Sie mit! Die Sans-Papiers brauchen unsere Solidarität!